Wenn wir heute über Energie sprechen, sprechen alle fast immer über Preise, Kilowattstunden, Centbeträge, Tarife, Vergleiche.

Das mag verständlich sein, aber es täuscht über das eigentliche Thema hinweg. Die Energie ist nicht nur Konsumgut wie ein Getränk, etwas zu essen oder eine Dienstleistung des Friseurs. Energie ist vor allem Infrastruktur und Physik.

Daraus resultiert, dass Energie damit anderen Regeln folgt. Daher ist es wichtig zu verstehen, warum die Fokussierung auf das Thema Strompreise ein Denkfehler ist und wieso langfristige Energieentscheidungen einen anderen Maßstab brauchen.

Strom ist nicht das Produkt. Wenn wir allgemein von Strom sprechen ist dies nur die letzte für uns erkennbare Ebene eines komplexen und viel größeren Systems. Bevor wir die Kilowattstunde durch die Steckdose zu Haus erhalten benötigt es Erzeugungsanlagen, Flächen, Netze, Wartung, rechtliche Rahmen, finanzielle Möglichkeiten und auch ein stabiles Umfeld für Investitionen die auf Jahrzehnte ausgelegt werden. Ein Kraftwerk zu errichten, ob Wasser, Wind oder PV ist ein Projekt, dass zumindest zwei Generationen betreffen wird.

Unser Strompreis bildet darin nur den letzten Ausschnitt und meist nur kurzfristig. Wer daher Strom nur nach dem Marktpreis bewertet und darauf seine Entscheidung aufbaut handelt als würde man ein Haus nach den Heizkosten des letzten Monats bewerten.

Infrastrukturen verändern sich langsam Preise dagegen schwanken im 15 Minuten Takt. Unsere täglichen Energiepreise, Strom, Gas oder Öl, ja sogar Pellets schwanken durch politische Entscheidungen, die oft auf der anderen Seite der Erde getroffen werden, durch geopolitische Krisen, die mit unserem täglichen Leben eigentlich nichts zu tun haben, durch das Wetter, durch Börsenentwicklungen, die weit weg sind von unseren Eingriffsmöglichkeiten und durch für uns völlig intransparente Marktmechanismen.

Was sich dagegen nicht schnell ändert sind die gebauten Kraftwerke, die getätigten Investitionen, die regionalen und lokalen Erzeugungsanlagen und langfristige Nutzungsrechte daran.

Wer Energie nur über Preise denkt, reagiert nur anstatt bewusst zu gestalten.

Wir neigen dazu Energiepreise entweder als Gottgegeben hinzunehmen oder diese wie einen Handytarif zu sehen. Heute billig, jederzeit kündbar und morgen neu verhandelt. Bei einem Handytarif mag das funktionieren. Doch für Energie, die wir zwischenzeitlich so benötigen wie Essen und Trinken ist dies voller unvorhersehbaren Gefahren. Eine selbst gestaltete Energieversorgung durch langfristige Investitionen, oft über 20 oder 25 Jahre dagegen bedeutet das Durchbrechen dieser kurzfristigen Preislogik.

Was zählt daher für uns? Wenn man Menschen fragt, wieso sie tausende Euro in eine PV-Anlage für ihr Haus oder ihren Betrieb investiert haben, dann bekommt man unter anderem folgende Antworten:

  • Kostenstabilität anstelle Preisunsicherheiten
  • Unabhängigkeit von Energiekonzernen
  • Selbstversorgung in Krisenzeiten
  • Was tun für eine nachhaltige Zukunft

Diese Antworten zeigen, dass es daher um mehr geht als Tarife vergleichen. Es geht um eine bewusste Entscheidung hin zu Infrastruktur, Zugang und Nutzung.

Vergleichen wir es wieder mit einem Hausbau. Niemand fragt bei einem Hausbau zuerst nach den monatlichen Heizkosten sondern nach Lage, Qualität und langfristigen Nutzen.

Die Heizkosten sind natürlich uns wichtig. Jedoch sind diese nicht die Basis der Entscheidung. Wenn es jedoch um Energie geht machen wir es zu oft umgekehrt und wundern und später über die Unsicherheiten und negativen Überraschungen.

Daher müssen wir unsere Entscheidungsfindung anpassen. Durch dezentrale, regionale und erneuerbare Energie haben wir die Chance unsere Perspektive zu wechseln. Weg von kurzfristigen Preisen hin zu langfristigem Nutzen. Nicht „was kostet Strom diesen oder nächsten Monat“ sondern „wie sichere ich meine Energieversorgung über viele Jahre hindurch ohne Abhängigkeiten, die ich nicht kontrollieren kann.“

Betrachten wir die Zukunft des Energiemarkts nüchtern. Der Energiemarkt wird sicher nicht einfacher. Der Energiemarkt wird komplexer und Modelle, die nur auf Preis reagieren werden an ihre Grenzen stoßen. Dagegen werden Modelle, die Nutzung, Planung und Erzeugung in den Mittelpunkt stellen an Bedeutung gewinnen. Nicht aus Ideologie sondern aus der Logik heraus.

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Eine Antwort zu „Warum Strompreise das falsche Denkmodell sind“

  1. Avatar von Ein WordPress-Kommentator

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